WAS WIR WOLLEN

Wer sind wir?

Wir sind eine offene Gemeinschaft von Menschen und Institutionen (siehe PERSONEN)  , die sich für nachhaltige Entwicklung und Lebensqualität überall einsetzen – das heißt auch und besonders in peripheren, ländlichen Räumen. Wir sehen in der Weitergabe von Wissen und Erfahrung einen mächtigen Hebel für eine solche nachhaltige Entwicklung.  Wir sehen die Zukunft ländlicher Räume als vollwertige, wissensintensive Lebensräume, die von dezentralisierenden Trends in Technologie und Gesellschaft profitieren können – in einem mannigfaltigen lebendigen Austausch mit den Städten!

Deswegen bauen wir eine Art virtuelle Akademie für nachhaltige Entwicklung auf und geben ihr den Namen “DorfUni”. Die Dorfuni ist natürlich keine Universität im gesetzlichen Sinn, obwohl sie viele Universitätslehrer zu ihren Vortragenden zählen soll. Der Name verweist vielmehr einerseits auf den Reichtum und das Niveau der Bildungsangebote, die Schritt für Schritt für den Aufbau lokaler Kompetenzzentren für nachhaltige Entwicklung bereitstehen sollen – wir wollen uns Wissenschaft und Forschung orientieren, und zeigen, dass wir in Zeiten des Wandels alle mehr oder weniger Forscher und Lernende zugleich sind.   Andererseits bedeutet “Universität” auch ganz präzise die “Einheit”, die  “Gemeinschaft von Lehrenden und Lernenden”. Auch in diesem Sinn ist die Idee der “Dorfuni” zu verstehen. Die klassische Dorfuni ist ein Projekt in Deutschland, in den drei Dörfern Rixbeck, Esbeck und Dedinghausen  wurde dieser Name gewählt, um die  INNERE Vielfalt an Fähigkeiten, Erfahrungen und Wissen in den Dörfern zugänglich zu machen. Mit DorfUni 2.0 gehen wir darüber hinaus. Wir sehen es als unsere primäre Aufgabe,  Wissen und Erfahrungen ZWISCHEN Dörfern hin und her fließen zu lassen, und auch mit den Städten einen Dialog zu pflegen.

Wir glauben, dass im ländlichen Raum enorme Bildungsbedürfnisse existieren – schließlich müssen wenige Menschen sehr viele Dinge tun, wenn ein den Städten vergleichbarer Lebensstandard garantiert werden soll. Wir glauben auch, dass wir neue Formen finden müssen, um diese Bildungsbedürfnisse zu befriedigen.

Videobrücken gegen Wissenslücken

Das Internet kann als Dialogmedium, als Träger für fruchtbaren Austausch und Lernen genutzt werden. Schön langsam schließt sich ja die “Breitbandlücke” und verlässliche und gute Verbindungen werden an immer mehr Orten möglich. Wir wollen mehr draus machen als ein Trägermedium für Fernsehen, Surfen und Telefonieren, wir wollen Fenster zur Welt öffnen und damit zugleich auch lokale Begegnungsräume schaffen. Deswegen kommt es aufs Format an.

Die von uns geplante “virtuelle Akademie” kreiert neue Begegnungsräume, in denen sich die digitale und die analoge Welt in vielen Formen wechselseitig befruchten. Grundsätzlich ist die gemeinsame Teilnahme, die gemeinsame Rezeption, die gemeinsame Reaktion entscheidend. Das heißt, die Menschen die sich beteiligen, sitzen nicht primär zu Hause vor ihren Bildschirmen, sondern gemeinsam in den “Hot Spots” ihrer Gemeinden. Und zwischen denen bauen wir quasi “Videobrücken”. Sie konsumieren nicht Wissen jeder für sich, sondern diskutieren sofort gemeinsam über die arbeitsteilige Umsetzung vor Ort. Die Dorfuni 2.0 verbindet Dorfgemeinschaften und Gemeinden, die erkannt haben, dass Wissen befähigt, Probleme zu lösen, und zwar auf allen Gebieten. Von Hausbau, Umgang mit Sonne, Wind, Boden und Wasser, Lösung von Konflikten und speziellen sozialen Bedürfnissen , Fragen von Gesundheit und Krankheit, neuen dezentralen Produktionsmöglichkleiten bis hin zu Fragen der kultur als Quelle von kreativer Lebensraumgestaltung, zieht sich ein enormer Bogen.

Breitbandige Internetanbindung von solchen ‘fliegenden Klassenzimmern’ in ländlichen Gemeinden soll so den Wissensaustausch zwischen Stadt und Land, aber auch zunehmend zwischen den Hotspots nachhaltiger Entwicklung im ländlichen Raum drastisch befördern.

An den “Zugangs- und Lernorten” in Dörfern und Kleinstädten (und das kann ein Saal eines Gasthauses genauso sein wie der Versammlungsraum der freiwilligen Feuerwehr) wird gemeinsam angeschaut, zugehört, diskutiert, geantwortet. Wie bei einer Fernsehübertragung soll es dabei lebendig zugehen. Das ist technisch und organisatorisch eine große Herausforderung. Wir wollen eine Vernetzungsgenossenschaft aufbauen, die diese Herausforderung nachhaltig bewältigt.

Das Medium der Videokommunikation ermöglicht beides: einen niedrigschwelligen Zugang sowie eine neue Qualität und Anschaulichkeit von Vorträgen und Diskussionen – durch eine plastische visuelle und menschliche Komponente die die technischen Infrastrukturen (und ihre Kinderkrankheiten) letztendlich in den Hintergrund drängt. Es ermöglicht aber auch eine neue Qualität an raumübergreifender Interaktivität. Nachfragen, Diskussionen und Auseinandersetzung können synchron mit der Wissensvermittlung einhergehen. Auch das Fernsehen hat sich enorm weiterentwickelt, wir wollen mit der Weiterentwicklung des Nahsehens beginnen.

Dieses gemeinsame Lernen fördert gemeinsames Handeln und partizipative Prozesse, wertet ländliche Lebensräume kulturell und intellektuell auf, ermutigt zu eigenständigem Experiment, Entwicklung und Wissensweitergabe in nachhaltiger Produktion und Lebensraumgestaltung. Aus passiven Zuhörern sollen immer mehr aktive Mitgestalter werden. Die virtuelle und verteilte Gemeinschaft der Dörfer erbringt ständig steigenden lokalen sozialen Mehrwert. Sie führt dazu, dass eine neue Arbeitsteiligkeit entsteht, in der an einzelnen Orten die Tiefe und Qualität, mit der ein Thema behandelt, beforscht und dokumentiert wird, sich ständig verbessert. In dem Wissen, dass anderswo dieselbe Bemühung mit einem anderen Thema existiert und man sich regelmäßig austauschen und befruchten kann. Und genau wie bei den neuen sozialen Medien geht es letztlich darum, Wissen so zu teilen, dass alle es frei zugänglich erreichen können und Lust bekommen, sich in diesen Prozess einzuklinken.